Depressionen bei Senioren

 

Krankheit oder schlechte Laune?

Jeder siebte Mensch leidet im Alter an Depressionen. Symptome einer Altersdepression treten bei 13% der älteren Menschen auf.
Bevor Sie jedoch über Risikogruppen sprechen, müssen Sie herausfinden, wer als "älter" gilt.
Laut WHO-Klassifikation liegt der Übergang ins “Alter” zwischen dem 60. und dem 65. Lebensjahr, über 75-Jährige gelten bereits als Hochbetagt. In der Praxis liegen die Dinge jedoch ein wenig anders. Einige glauben bereits mit 40 alt zu sein, andere führen mit 70 noch einen aktiven Lebensstil.
Lebensstil und Krankheiten sind die wichtigsten Faktoren für eine Depression. Manchmal dauert es Jahre, bis Angehörige diese schwere Krankheit bei älteren Familienmitgliedern erkennen. Depressionen bei älteren Menschen unterscheiden sich stark von Depressionen in jungen Jahren. Bei älteren Menschen tritt die Störung unter dem Deckmantel einer körperlichen Erkrankung auf. Zum Beispiel beginnt das Herz, der Darm oder die Wirbelsäule einer Person zu schmerzen. Er oder sie klagt über Meteosensitivität und Kopfschmerzen. Tatsächlich sind dies Manifestationen einer Depression. Seltener äußert sich die Erkrankung bei älteren Menschen durch Weinen oder extremen Gefühlsausbrüchen wie bei jungen Leuten. Daher ist es sehr schwierig, schlechte Laune von einer psychischen Störung zu unterscheiden.
Es überrascht nicht, dass die Zahl der Suizide im Zusammenhang mit Depressionen bei Menschen über 60 um ein Vielfaches höher ist als bei jungen Menschen.

Wie Depressionen maskiert werden

Die Experten sind sich sicher: Bei den ersten verdächtigen Symptomen muss ein Arzt aufgesucht werden. „Wenn Ihr Elternteil sich für ein paar Tage weigert, etwas zu essen, plötzlich das Interesse an den Aktivitäten verliert, die ihm oder ihr früher Freude bereitet haben, sich länger als zwei Wochen niedergeschlagen fühlt, könnte dies eine Depression sein“, sagt Joel Stryme, M.D., Professor für Alterspsychiatrie an der Pennsylvania State University.

Seien Sie vorsichtig bei Ausflüchten à la "Mir geht es schon gut". Nur wenige Menschen wollen ihren Familien zur Last fallen, vor allem ältere Menschen scheuen sich davor. Es gibt mehrere körperliche Erkrankungen, die am häufigsten mit Depressionen in Verbindung gebracht werden.

Gastrointestinale Beschwerden. Dieser Symptomkomplex umfasst Sodbrennen, Übelkeit, Schweregefühl, Völlegefühl im Unterleib und verminderter Appetit. Oft wird der Patient mit der Diagnose einer akuten Appendizitis oder Cholezystitis ins Krankenhaus eingeliefert, aber das Eingreifen von Ärzten löst das Problem nicht. Der Schmerz erreicht meist morgens seinen Höhepunkt, nachmittags klingen die Symptome ab.

Kopfschmerzen. Ein vielschichtiges Symptom, das sowohl durch Gefäßerkrankungen des Gehirns als auch durch eine Altersdepression verursacht werden kann. Es kann sein, dass die Unterscheidung nur durch den Ausschluss von Tumoren und vaskulären Pathologien getroffen werden kann (dafür müssen Sie eine ganze Reihe von Untersuchungen durchlaufen).

Schlaflosigkeit. Kann oft sogar das einzige Symptom einer Depression sein. Wenn Sie trotz Einhaltung eines geregelten Tagesablaufs weiterhin von Schlaflosigkeit betroffen sind, sollten Sie sich an einen Gerontologen wenden.

Kardialgie. Schmerzen im Bereich des Herzens, die nicht mit einer Schädigung der Arterien verbunden sind. In der Regel gibt es keine Auffälligkeiten im Kardiogramm und die "zur Prophylaxe" verschriebenen Medikamente bringen keine Linderung.

Arthralgie. Wenn Röntgenbilder, Computertomographie und Densitometrie keine pathologischen Veränderungen zeigen und Gelenke und Knochen weiterhin schmerzen, sollten Sie eine Depression vermuten.

Wie entsteht eine Depression?

Es gibt viele Gründe, aus denen ein Erwachsener plötzlich das Interesse am Leben verliert – von sozial bis rein physiologisch. Die gravierendsten Risiken sind der Verlust des Lebenspartners, eingeschränkte soziale Kontakte, verminderte körperliche Aktivität und finanzielle Probleme. Zu den offensichtlichen Einflussfaktoren kommen oft noch Erkrankungen des Nervensystems hinzu.
Bei fast der Hälfte der älteren Bevölkerung wird eine zerebrale Ischämie diagnostiziert. Diese wird in den meisten Fällen von Depressionen begleitet. Nach Ansicht von Gerontologen sollten Gefäßerkrankungen des Gehirns in jedem Alter behandelt werden.
Im Alter wie in der Jugend müssen Krankheiten bekämpft werden! Wenn eine Person denkt, dass sie alt ist und es normal ist, im Alter krank zu werden, dann entwickeln sich Beschwerden immer mehr. Hintergrund für die Entstehung einer Altersdepression können auch ein zurückliegender Schlaganfall, ein Herzinfarkt oder der Abbau kognitiver Funktionen, wie etwa bei einer Demenz, sein. Auch Gedächtnisstörungen können von Depressionen, Wut und Ressentiments gegenüber geliebten Menschen begleitet werden.

Wie kann eine Behandlung helfen?

Je früher eine Depression erkannt wird, desto größer sind die Chancen, die biochemischen Veränderungen im Nervensystem (die bekanntermaßen jede Depression begleiten) wieder zu normalisieren. Und hier können Sie nicht auf Antidepressiva verzichten.
Nicht alle Medikamente sind für ältere Menschen geeignet. Ein erfahrener Neurologe oder Geriater weiß das und verschreibt Medikamente unter Berücksichtigung des Alters. Interessanterweise gibt es Medikamente, die jungen Menschen nicht helfen, die aber im Alter wirksam sind. Daher sollten Sie sich nicht nur auf die Erfahrung jüngerer Freunde und Bekannter verlassen, sondern der ärztlichen Empfehlung folgen.
Auch Schmerzen, beispielsweise ein gebrochener Finger, können zu Depressionen führen. Ist die Ursache für den Schmerz behoben, kann auch die Depression oft auf einen Schlag bewältigt werden. Es kommt vor, dass eine ältere Person es nicht für notwendig hält, sich über Symptome aus dem Bereich der psychischen Erkrankungen zu beschweren. Oft sind derartige Erfahrungen mit einem gewissen Schamgefühl behaftet. Daher besteht die Aufgabe der Angehörigen darin, psychische Problem rechtzeitig zu erkennen.
Es ist immer einfacher, einen älteren Patienten zu behandeln als einen jungen. Erstens zeigen sich ältere Menschen oft offener für eine Behandlung und halten sich vollständig an die Vorschriften. Zweitens erwarten sie von der Behandlung keine vollständige Genesung, sondern sind bereits mit einer Verbesserung der Lebensqualität zufrieden.
Geriater erinnern jeden, der ältere Verwandte in seiner Obhut hat daran, dass Groll, Melancholie und Reizbarkeit keine unbedingten Begleiter des Alters sein müssen. Und obwohl sich der Charakter im Laufe der Zeit noch ändert, sollte eine plötzliche Persönlichkeitsveränderung hellhörig machen.