Herz-Kreislauf-Erkrankungen


Überblick

Mit geschätzt 17,9 Millionen Todesfällen im Jahr sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die weltweit häufigste Todesursache. Unter dem Begriff sind gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Gruppe von Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße zusammengefasst; zum Beispiel koronare Herzerkrankungen, rheumatische Herzerkrankungen, zerebrovaskuläre Erkrankungen u.a. Ein Großteil der Todesfälle, die durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht wurden, ist auf Herzinfarkte und Schlaganfälle zurückzuführen. Die Mehrheit davon tritt bei Menschen unter 70 Jahren auf.

Auch in Deutschland zählen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Krankheiten und sind hier die Todesursache Nummer 1. Allein im Jahr 2019 waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen – vor allem ischämische Herzkrankheiten und Herzinfarkte – mit rund 331.000 Todesfällen für mehr als ein Drittel der insgesamt knapp 940.000 Todesfälle in Deutschland verantwortlich.

Welche Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es?

Koronare Herzkrankheit (KHK): Das ist eine der weltweit am häufigsten auftretenden Herzerkrankungen. Dabei werden die Herzmuskeln mit nicht genug sauerstoffreichem Blut versorgt, was durch verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße bedingt wird. Allein in Deutschland leiden rund sechs Millionen Menschen an dieser Krankheit.

Zerebrovaskuläre Erkrankung: Unter die Zerebrovaskulären Erkrankungen fallen Schlaganfälle und auch sonstige Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns.

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Hierbei handelt es sich um eine Störung der arteriellen Durchblutung der Extremitäten.

Rheumatische Herzkrankheit: Damit ist eine Gruppe von Herzerkrankungen gemeint, die meist durch rheumatisches Fieber verursacht werden. Rheumatisches Fieber ist ein entzündlicher Zustand, der von einer bakteriellen Infektion wie Streptokokken ausgeht.

Angeborener Herzfehler: Ist ein Geburtsfehler des Herzens oder der vom Herzen abgehenden Blutgefäße. Diese werden zu den häufigsten Organfehlbildungen bei Neugeborenen gezählt. Manche Herzfehler werden schon im Mutterleib erkannt, andere erst nach der Geburt.

Tiefe Venenthrombose und Lungenembolie: Tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien sind eng miteinander verbunden. Durch eine Venenthrombose wird der Abfluss des Blutes aus den Beinen oder Armen behindert. Die Blutgerinnsel lösen sich dann von der Venenwand und können bis in Herz und Lunge gelangen, wo sie die Lungenarterien verstopfen. Das führt zu einer lebensbedrohlichen Lungenarterienembolie.

Herzinfarkte und Schlaganfälle sind in der Regel akute Ereignisse und werden hauptsächlich durch eine Blockade verursacht, die den Blutfluss zum Herzen oder Gehirn verhindert. Der häufigste Grund dafür sind Fettablagerungen an den Innenwänden der Blutgefäße, die das Herz oder das Gehirn versorgen. Schlaganfälle können durch Blutungen aus einem Blutgefäß im Gehirn oder durch Blutgerinnseln verursacht werden.

Die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die wichtigsten verhaltensbezogenen Risikofaktoren für Herzerkrankungen und Schlaganfälle sind ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Stress und Depressionen, Tabakkonsum und schädlicher Alkoholkonsum. Durch diese ungesunden Verhaltensweisen erhöht sich das Risiko, Erkrankungen zu entwickeln, die wiederum als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten. Zu diesen das Risiko erhöhenden Erkrankungen zählen: Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht. Diese „intermediären Risikofaktoren“ weisen auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und andere Komplikationen hin. Der Bluthochdruck nimmt dabei eine besondere Stellung ein.

Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Anzeichen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen können manchmal unspezifisch sein. Häufig treten keine Symptome der Grunderkrankung der Blutgefäße auf. Manchmal sind ein Herzinfarkt oder Schlaganfall gar das erste Anzeichen der Grunderkrankung. Zu den Symptomen eines Herzinfarkts gehören:

  • Schmerzen oder Beschwerden im Brustkorb; und/oder
  • Schmerzen oder Beschwerden in den Armen, der linken Schulter, den Ellenbogen, dem Kiefer oder dem Rücken.

Zudem kann die Person Schwierigkeiten beim Atmen haben oder unter Kurzatmigkeit leiden; Übelkeit oder Erbrechen; Benommenheit oder Ohnmacht; ein kalter Schweiß; und Blässe gehören zu den weiteren Symptomen. Frauen klagen häufiger als Männer über Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Rücken- oder Kieferschmerzen.

Das häufigste Symptom eines Schlaganfalls ist eine plötzliche Schwäche von Gesicht, Arm oder Bein, meistens auf einer Körperseite. Andere Symptome sind das plötzliche Auftreten von:

  • Taubheit des Gesichts, Arms oder Beins, insbesondere auf einer Körperseite;
  • Verwirrung, Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache;
  • Schwierigkeiten beim Sehen mit einem oder beiden Augen;
  • Schwierigkeiten beim Gehen, Schwindel und/oder Verlust des Gleichgewichts oder der Koordination;
  • Starke Kopfschmerzen ohne bekannte Ursache; und/oder
  • Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit.

Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Je nach Herz-Kreislauf-Erkrankung stehen unterschiedliche Behandlungen zur Verfügung. Betroffene erhalten in der Regel Medikamente. Manchmal ist auch ein ärztlicher Eingriff notwendig.

Mit einem gesunden Lebensstil (gemäßigter Alkoholkonsum, Aufgabe des Rauchens, Reduktion von Übergewicht, Vermeidung von unnötigem Stress) und mit einer ausgewogenen Ernährung sowie regelmäßiger Bewegung können viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv beeinflusst, vermieden oder ihr Verlauf verzögert werden. So lassen sich auch Folgeerkrankungen verhindern und eine höhere Lebensqualität bleibt erhalten.